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Terem Quartet am Freitag

Terem Quartet

Ich durchquere das im wahrsten sinne des wortes eiskalte Nantes, fahre auf dem temporaire mir gehoerenden Bicloo, der Nantaisischen version von Velib, paris metro ersaetzende Leihfahraeder, am château de duces zur ehmaligen Kuchenfabrik dem heutigen Lieux Unique. Die Sonne scheint und es sind minus grade, Nantes tut sein bestes sein Wetter dem Russlands anzupassen, Ich hoffe instaendig das Nantes diese Anpassung wirklich nur fuer die Folle Journé anstrebt.

Wie es sich fuer Kunststudenten gehoert komme ich zehn minuten zuspaet, das Konzert hat bereits begonnen ich trete ein und werde neben zwei schul klassen klein kindern plaziert; ganz hinten. Die ersten Reihen sind von Rentnern und wichtig aussehenden aelteren Herrschaften besetzt in den hinteren raengen Studenten und Kinder. Zwischen kindern zu sitzen ist aufjedenfall immer ein Garant fuer ein intensives Hoererlebnis, wenn auch die Musik vieleicht nicht im Mittelpunkt des hoerens steht. Es ist aber um so bezaubernder wie sehr sich kinder von musik mitreisen lassen koennen.

Die Musik die das Terem Quartet spielt laed zum traeumen ein. Folklorische Eigenkompositionen mit rasanten tempi-wechseln, reinterpretationen klassischer musik rusischer komponisten und sogar eine Komposition fuer kinder, der kleine prinz. Unterbrochen wird nur fuer kleine Erzaehlungen ueber phantastische Reisen, Seeraeuber und Meere. Das Publikum ist begeister und mitgerissen und belohnt jedes stueck mit lautem Applaus.

Deutsches Publikum haette schon laengst mitgeklatscht, das Nantaesische haellt sich gluecklicher weise zurueck nach einem klaeglich an nervoesen Balalaika-Kontrabass breaks gescheiterten Versuch. Das Konzert aendet mit Standing ovations. Das Quatet gibt eine Zugabe, endlich ist Mitklatschen erlaubt und moeglich und das Publikum neutzt das mit voller Lautstaerke aus, das Quatet verschwindet zum Interview mit ARTE vor dem Bueffet.

ein besuchenswertes Konzert das eine Widerholung am Sonntag dem 5. Februar um 9:30 hat.

Krimoun Bellcora

Nonnen, Hühner und andere Verrücktheiten: Tag 3 der Folle Journée in der Cité de Congrès

Wenn Akkordeonspieler bizarre Geräusche von sich geben, die Sänger als Nonnen verkleidet auf die Bühne kommen und sich das Orchester schließlich mit den Akteuren einen Kampf auf der Bühne liefert, dann kann man wohl sagen, la Folle Journée (der verrückte Tag) macht seinem Namen alle Ehre. Die Cité de Congrès in Nantes bietet seinem Publikum nun schon drei Tage lange ein buntes und aufheiterndes Programm russischer klassischer Musik. Ob jung, ob alt, jeder lässt sich von den kleinen Überraschungen der Folle Journée begeistern.

Eingangshalle der Cité de Congrès


Schon beim Eintreten in die große Eingangshalle ist das Ausmaß der „folie“ (des Wahnsinns) ersichtlich: hunderte Menschen drängen sich in Richtung Bühne, versuchen noch Karten zu ergattern oder suchen die nach russischen Persönlichkeiten benannten Konzertsäle. Und das ist bei so viel Getümmel gar nicht so einfach. Auch in dem ein paar Meter weiter vorne liegenden Lieu Unique, dem alten Fabrikgebäude der berühmten LU Kekse, befinden sich noch weitere Konzerträume.

Lieu Unique

Da kommt bei dem einen oder anderen Besucher schon mal ein wenig Verwirrung auf: „Entschuldigung, können Sie mir sagen, wo ich hier den Raum Tschechow finde?“ Bei dem reichhaltigen Programm nimmt aber jeder gerne ein wenig Hin- und Hergelaufe in Kauf. Schließlich will jeder so viel wie möglich von dem Musikfestival mitnehmen.

Ausgearbeitete Konzertpläne helfen einigen dabei, den Überblick über ihre „Wunschkonzerte“ zu behalten. „Wir haben schon aus Versehen zwei Mal das gleiche Konzert angesehen“, lacht eine Dame in der Warteschlange, „aber zum Glück hat es uns gut gefallen“.

Terem Quartett

Das Terem Quartett aus St Petersburg kann sein Publikum ebenfalls von sich überzeugen. Der Saal ist zur Hälfte besetzt mit Schulklassen. Auch wenn die Kinder mit den fröhlichen englisch-russischen Ansagen und den kleinen Anekdoten zu den Musikstücken vielleicht nicht viel anfangen können, lassen sie sich doch mit dem Rest des Saals von der guten Stimmung der vier Musiker mitreißen. Der gelungene Auftritt schlägt sich in tosenden Begeisterungsstürmen des Publikums nieder.

Reineke Fuchs gespielt von Le Balcon

Auch das Ensemble Le Balcon kann sein Publikum begeistern. Mit Ideenreichtum spielt es das Ballett „Reineke Fuchs“ von Strawinsky. So wird das Orchester mit Gesang von fünf männlichen Nonnen begleitet, von denen sich eine(r) jedoch am Ende lediglich als getarnter Fuchs herausstellen soll. Ganz im Sinne der Folle Journée wir die Repräsentation des Balletts immer bunter, lebhafter und abgedrehter. In einem Boxring aus Strohballen treten bald Fuchs und Federvieh der Geschichte in Aktion, welche in einem heillosen Getöse endet, in das sich schließlich auch noch das Orchester mit hineinstürzt.
Die grandiose musikalische Leistung des Ensembles ist vom Publikum unumstritten. Die lustig gemeinte Szenerie kommt an kritischen Worten jedoch nicht ganz vorbei: „Das war musikalisch eine echt tolle Leistung mit wirklich guten Stimmen und einer sehr lebhaften Partitur. Die Szenerie war, sagen wir, interessant“, meinen zwei Herren nach dem Konzert. Dem stimmt auch eine Dame beim Verlassen des Konzertsaals zu: „Das war schon sehr avantgardistisch.“ Nichtsdestotrotz tut diese leicht kritische Beurteilung der Darstellung der allgemeinen Begeisterung keinen Abbruch. Und schließlich ist la Folle Journée dazu gedacht, dem Publikum neue Horizonte zu eröffnen.

Anna Weidemann

Tag 2 der Folle Journée an der Universität von Nantes

Das russische Akkordeontrio „Motion Trio“ erhitzt die Stimmung in der Eingangshalle der Universität von Nantes mit Stücken von Mussorgsky, Prokofjew, Schostakowitsch und Khatchaturian.

Motion Trio

Die Pianistin Claire Désert spielt Mussorgskys Tableaux d’une Exposition (Gemälde einer Ausstellung), welche die Reihe der ausgewählten Werke begleitet. Erklärt werden die Gemälde der Ausstellung von der Kunsthistorikerin Marie-Pauline Martin.

Pianistin Claire Désert und Referentin Marie-Pauline Martin

Anna Weidemann

Russische Klänge gegen russische Kälte: Tag 1 der Folle Journée 2012 im Zeichen Tschaikowskys

Pünktlich zur „russischen Kälte“, die nun auch in Frankreich eingekehrt ist, eröffnete heute la Folle Journée in Nantes – 2012 unter dem Thema „le Sacre russe“ (die russische Krönung). Fünf Tage lang werden Orchester, Chöre und Ensembles die klassischen Werke großer russischer Musiker wie Rimski-Korsakow, Tschaikowsky, Rachmaninow, Strawinsky oder Prokofjew dem nantaiser Publikum präsentieren. Zudem bieten zahlreiche Vorträge und Konferenzen die Gelegenheit mehr über Leben und Werke der Komponisten zu erfahren.

Zum 18. Mal findet la Folle Journée in der Cité de Congrès von Nantes statt. Neue Konzertsäle sowie das renovierte Auditorium bieten Platz für bis zu 3 000 Besucher. Rund 280 Konzerte von jeweils 45 Minuten eröffnen den Zuhörern die Möglichkeit, ihre Vorliebe für klassische Musik in einer Vielfalt von russischen Komponisten zu erweitern oder gar zu entdecken. Um sie einem möglichst großen und neuen Publikum zugänglich machen zu können, werden die Eintrittspreise für Konzerte und Vorträge in einem bescheidenen Rahmen gehalten. Dies entspricht nicht nur dem Interesse des Départements Loire-Atlantique, sondern auch dem des Begründers der Folle Journée, René Martin.

Sextett von Tschaikowsky

Mittwoch und Donnerstag können die Studenten der Universität von Nantes einen Vortrag des französischen Musikhistorikers Patrick Barbier, sowie drei Konzerte sogar kostenfrei wahrnehmen, um eventuell auf den Geschmack für weitere Veranstaltungen des Ereignisses zu kommen. Der erste Tag der Folle Journée stand hierbei ganz im Zeichen des weltbekannten Komponisten Piotr Tschaikowsky. Der Vortag von Patrick Barbier lud die Studenten dazu ein, mehr über den Werdegang des russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts zu erfahren. Unter Vorführung mehrerer Auszüge aus Tschaikowskys Werken, erzählte der Musikhistoriker passioniert und lebhaft vom Aufstieg und Fall des facettenreichen Musikers. „Er verstand es, Atmosphäre zu schaffen und in seinen Kompositionen die bewegendsten Gemütszustände auszudrücken“, bewundert Barbier. Er sieht in Tschaikowsky die bedeutendste Figur der russischen klassischen Musik. „Der Vorteil der Folle Journée ist es“, meint er, „uns auch weniger bekannte Stücke der Komponisten vorführen zu können.“

Während der Vortrag über Tschaikowsky am Mittag eher wenig besucht war, fand das nachmittägliche Konzert seines Sextetts großen Andrang. Sechs Musiker des Nationalorchesters der Pays de la Loire spielten Stücke des Sextetts, welches Tschaikowsky während seiner Italienreise komponiert hatte. Obwohl seine Werke zu den bedeutendsten der russischen klassischen Musik gehören, sind sie nicht frei von Einflüssen der italienischen, deutschen und französischen Kultur. Ungeachtet dessen fand die kurze Vorstellung des Ensembles großen Anklang bei dem beinahe voll besetzen Hörsaal der Université de Nantes. „Ich habe noch nie einen so vollen Hörsaal gesehen“, kommt ein Kommentar von hinten. Der tosende Applaus und die Bravorufe am Ende der dreiviertel Stunde sprechen für den Erfolg der Musiker, die sich, nach hartnäckigem Beifallklatschen seitens des Publikums, zuletzt auch noch zu einer kleinen Zugabe hinreißen lassen. Mit erwärmten Händen und Gesichtern, dank russischer Klänge, heißt es dann schließlich wieder auf dem Weg nach Hause der russischen Kälte trotzen.

Anna Weidemann

Die “Folle journée de Nantes” 2012

 

Dank ARTE Web können Sie dieses Jahr erneut die "Folle Journée de Nantes" und ihren ungewöhlichen Blick auf klassische Musik erleben.

Ab dem 1. Februar können Sie auf unserer Webseite alle Konzerte sehen und wiedersehen, aber gleichzeitig auch hinter die Kulissen des Festivals und der Stadt Nantes blicken, die dieses Jahr ganz im Zeichen Russlands stehen.

 Und um Sie direkt am Geschehen teilnehmen zu lassen, informieren wir Sie in Echtzeit via Twitter über die wichtigsten Momente des Tages.

Komponierte Gedanken oder Nietzsche und die Musik

Richard Strauss' „Also sprach Zaratustra“ gilt im Programm der Folle Journée als unumgängliches Werk, der größte der vielen Säle (das Auditorium) ist in diesem Jahr nach Nietzsche benannt und auch im Rahmen der Konferenzen befasste sich die Dozentin für Musikwissenschaften Florence Fabre mit Nietzsche – nicht als Philosophen oder Schriftsteller, sondern als Komponisten und spätromantischen Musikkritiker.

Mit 8 Jahren begann er Familienmitglieder mit eigens komponierten Liedern zu beschenken. Als knapp 14-Jähriger schrieb er über die Musik: „[...] ihre Hauptbestimmung ist, daß sie unsre Gedanken auf Höheres leitet, daß sie uns erhebt, sogar erschüttert“. Schumann, Schubert und Brahms fand man in seiner Bibliothek; Wagner war in seiner ersten Schaffensperiode ein enger Freund.

Während Fabre bei ihrer Präsentation Kompositionen Nietzsches vorspielte, machte sie auf einige unbeholfene Stellen aufmerksam. Da Nietzsche die Orchestrierung nie gelernt hatte, kannte er sich nicht mit den verschiedenen Möglichkeiten und Tonfärbungen der Instrumente aus. Auch sei es eine besondere Herausforderung, Nietzsche zu spielen, da exakte Angaben oft fehlten.

Nachdem Nietzsches Manfred-Meditation von 1872 vom Dirigenten Bühlow kritisiert worden war, ließ seine Tätigkeit als Komponist stark nach. Doch durch seine Gedanken inspirierte er weiterhin andere große Komponisten. So auch Strauss und daher findet sich zu Beginn der Partitur von „Also sprach Zarathustra“ folgendes Zitat: „Zu lange hat die Musik geträumt, jetzt wollen wir wachen“.

Die traumhafte Folle Journée ist für dieses Jahr vorbei. Aber sie haben bei vielen Interesse geweckt– für die Komponisten der Spätromantik, für neue, vorher unbekannte Werke und vor allem für die inspirierenden Beziehungen von Philosophen, Schriftstellern, Komponisten  und Musikern.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

Anja Nicke und Franziska Erhard

Uff – letzter Tag der Folles Journées

Aber noch ist es nicht so weit. Noch gibt es Konzerte in Hülle und Fülle, man weiss gar nicht, wohin man zuerst hören soll!

Aber vielleicht kann man sich ja eine CD kaufen und sie dann in Ruhe zu Hause hören?! Die Auswahl ist gross

Im CD-Laden direkt in der Cité des Congrès

Oder wie wäre es mit ein bisschen Lektüre? Auch hier, am Büchertisch eines Nanteser Buchladens hat man die Qual der Wahl...

...oder man vertieft sich gleich vor Ort, was gar nicht einfach ist bei all der Hektik drum herum.

Und dann, auf dem Weg zum Arte Stand, treffe ich plötzlich auf eine weitere Menschenmenge - was gibt's denn hier zu sehen vor diesem komischen Glaskasten?

Ich versuche, mich anzupirschen und näher zu kommen (gar nicht so einfach!!!) - aha, da haben wir's ja:

es ist das Radiointerview einer japanischen Musikerin!

Aber auf der Hauptbühne in der Thomas-Mann-Halle wird jetzt langsam abgebaut

ein grosser Dank den schwarzen Männern...

Und wir müssen uns bis zum nächsten Jahr gedulden, wenn die russischen Komponisten auf dem Programm stehen!

Also tschüss, und vielleicht bis Ende Januar, Anfang Februar 2012?!!

Christiane Aselmann

Wegbegleiter als Wegweiser

Die Folle Journée in Nantes steht dieses Jahr unter dem Zeichen der (Spät)Romantik. Doch trotz des Klischées vom romantischen Franzosen trifft man hier erstaunlich häufig auf deutsche Namen. Das ganze Kongresszentrum hängt voll mit wunderlichen Wegweisern, deren Aufschriften den französischen Besuchern so manches Mal nur schwer über die Lippen kommen. Ein gehauchtes H hier, ein unbekannter Umlaut dort, Sch- und Ch-Laute, wie sie in den deutschsprachigen Nachbarländern Gang und Gäbe sind.

Jedes Jahr tauft das Team von der Folle Journée die Konzertsäle auf andere, zum jeweiligen Thema passende Namen, um die Besucher so schon vor Beginn der Konzerte in eine andere Welt abtauchen zu lassen.

Doch was haben Stefan Zweig, Hermann Hesse, Arthur Schnitzler und Co., die diesjährigen Namenspaten der Konzertsäle, mit klassischer Musik zu tun? Sie waren die Wegbegleiter der berühmten Komponisten und daher zieren ihre Namen die Säle. Denn, wie man unter anderem auch beim Besuch der Konferenzen schnell bemerkt, haben sich die verschiedenen Künste und Künstler der Romantik sowie Spätromantik gegenseitigen inspiriert, beeinflusst und ausgetauscht.

Anja Nicke und Franziska Erhard

Klassisches Kopfkino O.S.T.

Freitag Nacht wurden die Gäste im Saal Elias Canetti von Marie Josèphe Jude und Jean-François Heisser am Piano in verschiedene Liebesfilme entführt. Zunächst spielten sie den Liebeslieder-Walzer für vierhändiges Piano Opus 52a von Brahms. Von weiteren Musikern des Orchesters Poitou-Carentes unterstützt und durch Heisser dirigiert, spielte Marie-Josèphe Jude anschließend drei transkribierte Walzer von Strauss.

Viele Besucher lauschten dem Konzert mit geschlossenen Augen. Wir selbst wurden durch die Musik an Werke aus Filmen erinnert und wir fragten uns welche Geschichten das klingende Klavier den Zuhörern wohl erzählte, welche Erinnerungen da wach wurden. Von dieser Stimmung verführt, schlossen auch wir die Augen und auf unserer persönlichen Leinwand spielte sich die ganze Bandbreite von Szenen aus imaginären Liebesfilmen ab:

Während das Orchester sanfte Melodien spielte, sahen wir einen sonnigen Sonntagnachmittag wie im 19. Jahrhundert – Die Familien gehen im Park spazieren, Pferdekutschen fahren vorbei. Ein frisch verliebtes Paar küsst sich auf einer Blumenwiese scheu zum ersten Mal...

Die Musik wurde schneller und lauter: wir wurden Zeugen einer atemberaubenden Verfolgungsjagd, bei der ein Gangsterpärchen vor der Polizei flieht...

Als melancholische Melodien den Saal erfüllten, beobachteten wir die schmerzhafte Trennung eines jungen Liebespaares...

Das Orchester spielte leise Lieder und wir sahen – diesmal in schwarz-weiß – einen verzweifelten alten Witwer, der einsam durch die Großstadt irrt ohne Ziel oder Weg zu kennen...

Während die Musik eindringlicher erklang, erblickten wir einen mittelalterlichen Ritter, der schweren Herzens sein weinendes Burgfräulein zurücklassen muss, um in den Kampf zu ziehen...

Die Musiker spielten fröhliche Melodien und wir sahen ein glückliches Hochzeitspaar aus längst vergessenen Zeiten beim Tanzen...

Der Zusammenhang dieser Geschichten blieb uns verborgen, wie auch die Bilder der anderen Zuhörer. Doch meinten wir auf den vielen glücklichen Gesichtern Spuren spannender und romantischer Bilder erahnen zu können.

Anja Nicke und Franziska Erhard

Der Blockbuster unter den Konzerten

Gestern Abend strömten die Menschen nur so ins Auditorium Nietzsche, um den Blockbuster unter den Konzerten zu sehen, und ich verlor mich fast in den Menschenmengen.

Nichtsdestotrotz schaffte ich es schließlich zum Einlass zu gelangen und machte mich von dort aus auf den langen Weg zum zweiten Balkon, wo sich mein Platz befand.

Beim Betreten des Konzertsaals schlug mir eine schwüle Hitze entgegen und ich konnte die erwartungsvolle Spannung, mit der die Besucher auf das Sinfonieorchester Orchestre de la Résidence de la Haye warteten, förmlich spüren.

Der mächtige Saal war von einschüchternder Größe, die leere Bühne von beeindruckenden Ausmaßen. Es kam mir vor, als hätte dieser Riesensaal mich Zwerg einfach verschluckt. Deshalb setzte ich mich zaghaft, ja, ehrfürchtig auf meinen Platz.

Nach ein paar Augenblicken strömte eine Schar von Musikern – und auch sie erschienen mir zwergenklein zu sein – auf die Bühne. Würdevoll nahmen sie, einer nach dem anderen, ihre Plätze ein und versprachen mit ihrer Anmut ein Konzert der Superlative. Schließlich betrat der Dirigent Neeme Järvi die Bühne und begann mit seinen Händen mit unfassbarer Präzision ein atemberaubendes Klanguniversum zu schaffen:
Er entlockte den Violinen, Bratschen, Violoncelli und Kontrabässen die vielfältigsten Töne, kitzelte aus der Harfe die edelsten Laute heraus, spornte die Klarinetten, Flöten, Fagotte und Oboen zu virtuosem Spiel an, ermutigte die Trompeten, Posaunen, Tuben und Hörner zu Melodien von intensiver Klangfülle, stiftete die Pauken und das Schlagwerk zu bebenden Resonanzen an und entlockte der Triangel die leisesten Laute.

Die imposante Klangfülle bei Richard Wagners Prelude und Liebestod (Auszug aus Tristan und Isolde) ließ mir wohlige Schauer über den Rücken laufen und während Alban Bergs Dem Andenken eines Engels bekam ich immer wieder Gänsehaut vor Ergriffenheit. Nachdem der letzte Ton verhallt war, blieb es im Saal lange Sekunden still. Doch dann setzte ein minutenlanger, tosender Beifall ein. Einige Zuhörer waren so begeistert, dass sie die Musiker, die nicht zu viel versprochen hatten, mit Standing Ovations ehrten.

Anja Nicke